Titel: Mein Leben als lexikalische Lücke
Autor/in: Kira Groh
Cover: Anja Stiehler-Patschan
Genre: Jugendbuch
Verlag: Arctis
ISBN: 978-3-03880-044-6
Preis: E-Book 13,99 €, Hardcover 18,00 €
Status: Werbung | Rezensionsexemplar | prointernet bookmark
Drei Worte: Klug, schüchtern, mutig

Benjamin und Julia sind lexikalische Lücken. Es gibt kein Wort, dass ihren inneren Konflikt beschreiben könnte.
Beide passen nicht in das Weltbild ihrer Eltern, haben andere Ideale und Vorstellungen. Während Julia sich für die Umwelt einsetzt, an Demonstrationen teilnimmt und sich gegen rechte Gedanken stellt, versucht Benjamin aus seinem Alltag auszubrechen, indem er mehr auf das Wissen vertraut, als auf den Glauben. Sie fühlen sich oft nicht mutig genug ihre Interessen vor ihren Eltern offen zu legen. Doch als sie sich zum ersten Mal begegnen, scheint sich die lexikalische Lücke zu schließen ...

Veröffentlicht am 13.04.2021 von Wortklecks

Kyra Groh - Mein Leben als lexikalische Lücke

Zitat (S. 436)
»Für etwas einzustehen, ist Arbeit. Jeden Tag. Nicht nur auf Demos und in der Wahlkabine. Sondern am Frühstückstisch. Beim Zeitunglesen. In der Schule. Beim Abendbrot. Beim Cartoons-Gucken mit deinem Bruder. Bei der Wahl deiner Freunde. Bei jeder Aussage, die du tätigst.«

Es fällt mir schwer auszudrücken was ich fühle. Was ich die ganze Zeit über gefühlt habe. Die Geschichte war wie ein warmer Kakao oder ein heißer Apfelpunsch mit dem man sich aufwärmt nach einer kalten Nacht. Es hat nicht nur Wärme in mir ausgelöst, sondern auch so viel Verständnis. Jede Seite hat mir so viel gegeben, mich bestärkt, mich ermutigt und hoffen lassen. Ich habe mich wohlgefühlt zwischen den Zeilen und den klugen Gedanken.

Denn obwohl so viele ernste Worte darin stecken, schafft die Autorin es, dass Ben und Jule keineswegs überheblich erscheinen. Im Gegenteil, in ihnen sind so viele Zweifel und Ängste, so viel Einsamkeit und leise Gedanken. So viele Unsicherheiten. Gerade deswegen waren sie mir unheimlich sympathisch und nah. In ihren Dialogen steckte nicht nur Wahrheit, sondern auch Humor, sodass ich mehr als einmal lachen musste.

Kyra Groh hat eine unglaublich einfühlsame und kluge Geschichte geschrieben. Mit Themen, die uns alle betreffen. Dabei geht es nicht nur um Umweltschutz, um Ausländerfeindlichkeit, Hass oder Ausgrenzung. Es geht genauso darum für sich selbst zu entscheiden, wer man sein möchte, wohin man sich positionieren will und ob man weiterhin wegschaut oder sich traut den Mund aufzumachen. Denn diese Welt und ihr Geschehen gehen uns alle etwas an.

Sie lässt Ben und Jule mit ihren inneren Konflikten kämpfen, zweifeln und hoffen. Aber nicht nur das. Beide müssen sich mit der Frage beschäftigen: trauen sie sich für ihre Ideale einzustehen? Können sie ihre Bedenken überwinden und zu der Person werden, die sie gerne sein möchten?

Wir brauchen mehr solcher Geschichten. Die aufklären, die mutig und politisch sind. Die Themen wie Rassismus feinfühlig behandeln, die aufzeigen, ohne zu belehren. Ben und Jule sind nicht selbstbewusst oder laut. Sie sind stille Beobachter, heimliche Verfechter. Aber sie möchten etwas verändern und für ihre Ideale einstehen. Und manchmal ist es einfacher zusammen laut zu sein.

Fazit: Kyra Groh hat mit »Mein Leben als lexikalische Lücke« eine Geschichte über die eigenen Ängste, über Freundschaft und Zusammenhalt geschrieben. Sie hat mit Ben und Jule zwei Menschen erschaffen, die sich mehr trauen wollen, aber es nicht alleine schaffen. Die für ihre Meinung und ihre Werte einstehen möchten, ohne in die Vorstellungen ihrer Eltern gepresst zu werden. Ihre Worte haben mich ermutigt, mich getröstet und mir mehr als einmal einen Lacher entlockt. Ben und Jule sind großartig. Genauso wie die ganze Geschichte.

Kyra Groh - Mein Leben als lexikalische Lücke
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